Holstein Kiels Geschäftsführer Wolfgang Schwenke präsentiert das neue Heimtrikot. Quelle: Holstein Kiel

Synonyme falsch verwenden darf nur Amber Heard! Oder: warum Medien nicht vereinfachen sollten

Synonyme – das sind zwei oder mehr verschiedene Wörter, die das gleiche – oder zumindest etwas sehr ähnliches – bedeuten sollen. Soweit die Definition. In der täglichen Praxis aber sind Synonyme nicht unproblematisch. Denn viel zu oft neigt man dazu, Wörter als bedeutungsgleich zu nutzen, die es schlichtweg nicht sind.

Ein Beispiel? Im viel beachteten Verleumdungsprozess des Schauspielers Johnny Depp gegen seine Ex-Frau Amber Heard, die ihm häusliche Gewalt unterstellt hatte, nutzte Heard die Begriffe “donate” und “pledge” synonym. Mehrmals hatte sie behauptet, die vollen sieben Millionen Dollar Abfindung aus der Scheidungsvereinbarung mit Depp gespendet zu haben, benutzte dabei die beiden Begriffe gleichbedeutend. Das sind sie aber nicht, wie Depps Anwältin Camille Vasquez betonte. Im Gegenteil sagen sie etwas sehr Unterschiedliches aus. “To donate”, das bedeutet tatsächlich etwas zu spenden. “To pledge” dagegen ist lediglich die Ankündigung, ein Versprechen. Und tatsächlich hatte Amber Heard sich hier versprochen, denn die Spenden für den guten Zweck hatte sie nicht vollumfänglich auf den Weg gebracht. Um genau zu sein: lediglich 350.000 Dollar hatte die Schauspielerin (“Aqua Man”) bis zum Prozess gespendet. Und ein guter Teil dieser Summe wurde offensichtlich nicht von Heard, sondern von ihrem Ex-Freund Elon Musk gezahlt.

Aber auch in Deutschland werden Synonyme falsch und fahrlässig eingesetzt, die keine sind. In diesen Tagen hatte der Fußball-Zweitligist Holstein Kiel sein neues Trikot vorgestellt. Gut erkennbar dabei: die Einarbeitung der schleswig-holsteinischen Landesfarben blau, weiß und rot. Kurz darauf wurden Vorwürfe bekannt , dass auf den Jerseys die Reichskriegsflagge zu sehen sei. Skandal!

Holstein Kiels Geschäftsführer Wolfgang Schwenke präsentiert das neue Heimtrikot. Quelle: Holstein Kiel
Holstein Kiels Geschäftsführer Wolfgang Schwenke präsentiert das neue Heimtrikot. Quelle: Holstein Kiel

Holstein Kiel ist also ein Nazi-Verein? Natürlich nicht. Die gesamte Aufregung lässt sich am besten als der sprichwörtliche Sturm im Wasserglas bezeichnen. Irgendjemand mit einer Sehschwäche sah schwarz statt blau und echauffierte sich ordentlich. Sein Freundeskreis, ebenfalls nicht mit besonders guten Augen ausgestattet, sprang auf den Zug auf, schließlich ist gerade Sommerloch. Bis hierher ist es lediglich albern, aber noch nicht ärgerlich. Das wurde es ab dem Moment, in dem diverse Medien über den “Vorfall” berichteten, als ob hier tatsächlich etwas geschehen sei. Und eins hatten diese Berichterstattungen gemein: sie alle sprachen von der Darstellung einer Reichskriegsflagge. Und das ist entweder strunzdumm oder sogar bösartig. Denn die Reichskriegsflagge (die, die tatsächlich ein Nazi-Symbol ist) sieht anders aus. Keine schwarz-weiß-roten Balken, stattdessen ein prominent platziertes Hakenkreuz. Und das ist auf den Shirts von Holstein Kiel ganz sicher nicht zu entdecken. Wenn überhaupt wäre es die Reichsflagge, die von den Nazis schon bald gegen das Hakenkreuzbanner ausgetauscht wurde. Kann man wissen, wenn man im Geschichtsunterricht nicht nur am Handy gespielt hat.

Hier wird also etwas mit einem Begriff belegt, der falsch ist – aus Dummheit und Schlamperei. Journalisten, die nicht differenzieren können und dazu noch auf derart lächerliche Unterstellungen anspringen, sind schlicht ungeeignet für ihren Beruf. Ein Journalist muss sauber arbeiten. Er muss verantwortungsvoll handeln, denn er hat eine nicht zu unterschätzende Macht. Er hat die Pflicht, korrekt zu berichten. Und das schließt es auch ein, die passenden Begriffe zu wählen. Klicks sind nicht alles.

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