1.FC Kaiserslautern: Erfolg, wie wennste Münzen bei FIFA kaufst...

Insi-Modus: Nein, ich gönne es dem 1.FC Kaiserslautern nicht!

Die Möglichkeit, ein Insolvenzverfahren zu durchlaufen und letztendlich auch erfolgreich abschließen zu können – vielen heute erfolgreichen Firmen und Geschäftsleuten hätte es die Zukunft verbaut, hätten sie diese Karte nicht spielen können. Und letztendlich hat auch die Kapitalgesellschaft des Fußball-Zweitligisten 1.FC Kaiserslautern nichts anderes getan, als er im Juni 2020, damals noch als Drittligist, Insolvenz anmeldete. Und weil DFB und DFL sich vorher darauf geeinigt hatten, aufgrund der Corona-Pandemie und deren finanziellen Folgen für die Proficlubs auf die dann sonst üblichen Sanktionen für Vereine zu verzichten, spielten die Pfälzer diese Karte mit deutlich weniger Risiko.

Die weitere Geschichte ist bekannt: Das Insolvenzverfahren wurde am 1. September ’20 eröffnet, und bereits am 29. Oktober stimmte die Gläubigerversammlung dem Insolvenzplan mit großer Mehrheit zu. Am 7. Dezember dann, als nachträgliches Nikolaus-Geschenk im Fußballstiefel, hob das Amtsgericht Kaiserslautern das Verfahren auf. Entschuldet in Blitzgeschwindigkeit – so kann es laufen. Fast so, als käme das neue “FIFA” raus, und man kann wieder bei Null beginnen – aber mit ‘ner Menge Münzen.

1.FC Kaiserslautern: Erfolg, wie wennste Münzen bei FIFA kaufst...
1.FC Kaiserslautern: Wenn Du eigentlich pleite bist, aber dann die neue Version von FIFA rauskommt…

Aus Sicht der Lauterer hat die Geschäftsführung der Kapitalgesellschaft alles richtig gemacht. Die Verbände hatten eine goldene Brücke gebaut – die Pfälzer sind stracks darübergerannt. Und trotzdem bleibt mehr als nur ein bitterer Beigeschmack übrig. Schließlich hatte Lautern kein Pech im üblichen Sinn, sondern hat schlichtweg über Jahre mies gewirtschaftet. Andere, die mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Geld verantwortungsbewusst umgegangen sind, mussten zusehen, wie ein Konkurrent im Sauseschritt an ihnen vorbeizog. Und das nicht nur im metaphorischen Sinn; der 1.FC Kaiserslautern schaffte in der ersten Saison nach der Insolvenz mit frischem Investorengeld den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Dahinter in Schlagweite der TSV 1860 München, Waldhof Mannheim, VfL Osnabrück. Alles Clubs, die den Aufstieg raus aus der Pleiteliga 3 dringend benötigen und noch dazu sauber gewirtschaftet haben (okay, München 60 passt hier nicht ganz in die Liste…).

Noch schlimmer ist, dass die Insolvenzregelung lediglich eine Zahlung von 4 Prozent der ursprünglichen Schulden vorsah. Das bedeutete für Clubs, die noch Ansprüche aus Transfers an den FCK stellten, dass sie nur einen Bruchteil dessen bekamen, was ihnen zustand: Die Würzburger Kickers zum Beispiel mussten sich statt mit 200 000 Euro für Janik Bachmann mit gerade einmal 8 000 Euro zufrieden geben. Und die SG Sonnenhof Großaspach musste auf 120 000 Euro verzichten und verbuchte lediglich 5 000 Euro für Philipp Hercher. Geld, das im sowieso schmalen Etat der SG dann fehlte. Am Ende der Saison 20/21 stieg Großaspach ab – ohne Philipp Hercher. Aber immerhin: Lauterns Geschäftsführer Sören Oliver Voigt gab damals zu Protokoll, dass es “ethisch-moralisch betrachtet absoluter Mist” sei.

Der Stammverein 1.FC Kaiserslautern übrigens war nicht Teil der Insolvenzregelung. Der e.V. blieb zurück mit etwa fünf Millionen Schulden – eine Summe, die der e.V. auf lange Jahre nicht wird abzahlen können. Aber was soll’s, dafür ist die Kapitalgesellschaft schuldenfrei und erfolgreich.

Nein, ich gönne dem 1.FC Kaiserslautern die aktuelle Erfolgswelle nicht. Und das hat absolut nichts zu tun mit einem der sieben tödlichen Zwerge – es sind diese Begleitumstände, die nicht nur mir sauer aufstoßen. Denn, was ist sportliche Erfolg noch wert, wenn er auf eine derartige Art und Weise zustande kommt?

PS: Hat ApoRed den Insi-Modus jetzt eigentlich erfolgreich durchgezogen?

PPS: Andere Meinung dazu? Schreib’ eine Gegenposition!

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