Christian Lindner und Franca lehfeldt haben geheiratet - und Zwerg sechs gefällt das gar nicht! Quelle: Tagesschau.de

Neid ist einer der sieben tödlichen Zwerge

Oder so ähnlich. Zumindest hat der TV-Außerirdische Alf das einmal behauptet. Oder ging es dabei um Gefräßigkeit? Egal.

Die sieben Todsünden stellen in der katholischen Lehre eine wichtige Definition dar und sind auch über die Grenzen dieser Glaubensgemeinschaft relevant, ebenso wie die Zehn Gebote. Und trotzdem begegnen uns unterschiedlichste Ausformungen dieser Todsünden immer wieder. Besonders häufig: Todsünde sechs – der Neid.

Das wurde zuletzt besonders deutlich bei der Hochzeit des Finanzministers Christian Lindner mit der Journalistin Franca Lehfeldt. Sicher, Kritik ist grundsätzlich legitim und hilft im Idealfall auch weiter. Hier aber ging das, was viele vom Stapel ließen, deutlich über das Ziel hinaus und lässt sich tatsächlich am besten als generelle Missgunst und Neid beschreiben. Neid auf einen Promi, der sich in schwierigen Zeiten etwas leistet, was sich andere nicht leisten können.

Dabei sind Tatsachen nebensächlich. Wer eine Meinung hat, braucht keine Fakten. Lindner und Lehfeldt sind seit 2018 ein Paar, haben ihre Hochzeit spätestens seit Herbst 2021 geplant – Wochen vor seiner Berufung zum Finanzminister der Ampel-Koalition, Monate vor Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Das Paar hätte also die Vorbereitungen für ihre Traumhochzeit stoppen müssen, um auf eventuelle Befindlichkeiten einiger Zeitgenossen Rücksicht zu nehmen. Wer würde das tatsächlich tun? Eben. Niemand.

Hätte es ein paar Nummern kleiner auch getan? Natürlich. Aber beide wollten diese Hochzeit genau so. Und letztendlich geht es bei einer solchen Feier doch um das Paar, oder?

Einen Großteil der neidzerfressenen Diskussion bestimmte die Kostenfrage. Nun, die Kosten der Heirat und der Feier tragen Lindner und Lehfeldt, natürlich, selbst. So wie jeder von uns es müsste. Lediglich für Sicherheitsmaßnahmen war der Staat zuständig – und das unabhängig davon, ob Lindner heiratet, Baerbock Geburtstag feiert oder Scholz eine Grillparty gibt. Der Bundesfinanzminister Christian Lindner ist eine der wichtigsten Personen unserer Regierung, und ohne Personenschützer darf (!) er in der Öffentlichkeit tatsächlich an nichts teilnehmen.

War der Sicherheitsaufwand für die Hochzeit exorbitant hoch und damit teuer für den Steuerzahler? Das kann von uns niemand glaubwürdig behaupten, denn die Zahlen sind nicht bekannt. Anzunehmen ist aber, dass die Kosten eher unter dem rangieren dürften, was die einzelnen Schutzmaßnahmen von Paar und Gästen betragen würden, wenn sie nicht auf einem Haufen versammelt gewesen wären. Nennen wir es einfach mal Synergieeffekte. Denn das ist der Rechenfehler, den viele Kritiker anstellen: Die Kosten der Sicherheit der Hochzeitsfeier müssen verglichen werden mit denen der Kosten für die Sicherheitsmaßnahmen der einzelnen Personen, wenn sie nicht versammelt gewesen wären. Und hier darf jeder selbst sein Grundschulwissen in Mathematik herauskramen.

Christian Lindner und Franca lehfeldt haben geheiratet - und Zwerg sechs gefällt das gar nicht! Quelle: Tagesschau.de
Christian Lindner und Franca Lehfeldt haben geheiratet – und Zwerg sechs gefällt das gar nicht! Quelle: Tagesschau.de

Kritik gab es auch, weil Lindner und Lehfeldt kirchlich heirateten, obwohl beide aus der Kirche ausgetreten sind. Das kann ich nachvollziehen, denn konsequent ist es nicht. Ja, man kann an Gott glauben, ohne Mitglied einer der Kirchen zu sein. So halten es immer mehr Menschen aus guten Gründen. Aber dann sollte man auch auf die Dienstleistungen dieser Kirchen verzichten. Einen Skandal kann ich hierin aber nicht entdecken. Für das Brautpaar gehörte die kirchliche Trauung zu ihrer Traumhochzeit dazu. Und dass ausgerechnet die umstrittene Theologin Margot Käßmann sich hier motzend zu Wort meldet, ist heuchlerisch. Überhaupt, wenn die Kirchen für die Menschen wieder attraktiver werden wollen, sowohl als Institution als auch als Dienstleister, dann brauchen sie gute Argumente und positive PR. Klug wäre es also gewesen, die Hochzeit als Werbung zu nehmen – natürlich nicht, ohne das Paar aufzufordern, dann doch bitte auch wieder Mitglieder der Kirchen zu werden.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass es bei der Hochzeit von Lindner und Lehfeldt um etwas ganz anderes geht und die Kritikpunkte nur vorgetäuscht sind. Der gute, alte Hass auf Liberale, auf Eigenverantwortung, spielt da sicherlich eine große Rolle, und gerade Lindner, der als Finanzminister derzeit einen unglaublich schweren und wenig prestigeträchtigen Job hat, steht da sicher im Zentrum. Dem gönnt der Michel es dann halt nicht, dass er sich privat etwas leisten kann, was er selbst nicht hat. Und das ist dann eben der tödliche Zwerg sechs – Neid. Nichts anderes.

Andere Meinung? Schreib’ eine Gegenposition!

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